Inhalt
- Was einen Ort zum Kraftort macht
- Kraftorte in Deutschland: Überblick nach Bundesland
- Kraftorte im Norden
- Kap Arkona, Mecklenburg-Vorpommern
- Visbeker Braut und Bräutigam, Niedersachsen
- Kloster Chorin, Brandenburg
- Kraftorte im Westen
- Externsteine, Nordrhein-Westfalen
- Disibodenberg, Rheinland-Pfalz
- Loreley, Rheinland-Pfalz
- Gollenstein, Saarland
- Glauberg, Hessen
- Kraftorte im Osten und in der Mitte
- Brocken, Sachsen-Anhalt
- Mittelberg bei Nebra, Sachsen-Anhalt
- Kyffhäuser, Thüringen
- Kloster St. Marienthal, Sachsen
- Kraftorte im Süden
- Klosterinsel Reichenau, Baden-Württemberg
- Mummelsee, Baden-Württemberg
- Untersberg, Bayern
- Kloster Andechs, Bayern
- Wo das Belegbare aufhört
- Kraftorte in der Nähe finden
- Vom Ausflug zur Auszeit
- Häufige Fragen
- Was ist ein Kraftort?
- Welcher ist der bekannteste Kraftort in Deutschland?
- Wo finde ich Kraftorte in meiner Nähe?
- Kann man die Energie eines Kraftortes messen?
- Welche Kraftorte liegen in Bayern?
- Welche Kraftorte gibt es in Norddeutschland?
- Welche Kraftorte gibt es außerhalb Deutschlands?
- Plane deine Auszeit
Am frühen Morgen liegt der Teich unter den Externsteinen so still, dass die Felsen zweimal da sind: einmal grau und zerfurcht gegen den Himmel, einmal kopfüber im Wasser. Ein Specht arbeitet irgendwo im Buchenwald. Die ersten Busse kommen erst in einer Stunde.
Solche Minuten meinen die meisten, wenn sie von Kraftorten in Deutschland sprechen. Dieser Führer stellt dir 16 davon vor, sortiert nach Bundesland, damit du einen in deiner Nähe findest. Er erzählt, was an diesen Orten nachweislich ist: Gestein, Alter, Klöster, Gräber, Sagen. Und er sagt dir, wo die Sage beginnt und der Beleg aufhört.
Was einen Ort zum Kraftort macht
Ein Kraftort ist ein Platz, dem Menschen eine besondere, meist beruhigende oder stärkende Wirkung zuschreiben. Das Wort kommt aus der Esoterik und ist oft mit der Vorstellung einer besonderen Erdstrahlung verbunden. Die behaupteten Energien sind, so fasst es der Wikipedia-Artikel zum Ort der Kraft zusammen, naturwissenschaftlich nicht nachweisbar. Wer mit dem Pendel "Bovis-Einheiten" misst, misst vor allem die eigene Hand.
Damit ist der Begriff aber nicht erledigt. Schaust du dir an, welche Orte in Deutschland immer wieder so genannt werden, fallen vier Gemeinsamkeiten auf, und die lassen sich alle belegen:
- Landschaft: ein Felsen, der aus dem Wald ragt, eine Kuppe, ein Kliff, ein dunkler See.
- Zeit: Steine, die Menschen vor 5.000 Jahren aufgerichtet haben, Gräber, Grabhügel.
- Nutzung: Klöster, Wallfahrten, Kultplätze, an denen über Jahrhunderte gebetet wurde.
- Erzählung: Sagen, Gedichte, Legenden, die einen Ort aufladen, manchmal erst im 19. Jahrhundert.
Kirchen sprechen übrigens auch von "Orten der Kraft". Sie meinen damit etwas anderes: Räume, in denen Andacht und Gottesdienst Halt geben sollen. Die großen heiligen Stätten weltweit, von Bodh Gaya bis Glastonbury, stellen wir in unserem Artikel über spirituelle Orte der Welt vor. Hier bleiben wir in Deutschland.
Kraftorte in Deutschland: Überblick nach Bundesland
| Ort | Bundesland | Nächster Ort | Art des Ortes |
|---|---|---|---|
| Kap Arkona | Mecklenburg-Vorpommern | Putgarten (Rügen) | Kliff, slawisches Heiligtum |
| Visbeker Braut und Bräutigam | Niedersachsen | Wildeshausen | Großsteingräber |
| Kloster Chorin | Brandenburg | Eberswalde | Klosterruine |
| Externsteine | Nordrhein-Westfalen | Horn-Bad Meinberg | Sandsteinfelsen |
| Disibodenberg | Rheinland-Pfalz | Odernheim am Glan | Klosterruine |
| Loreley | Rheinland-Pfalz | Sankt Goarshausen | Schieferfelsen |
| Gollenstein | Saarland | Blieskastel | Menhir |
| Glauberg | Hessen | Glauburg | Keltischer Fürstensitz |
| Brocken | Sachsen-Anhalt | Wernigerode | Berg |
| Mittelberg bei Nebra | Sachsen-Anhalt | Nebra | Fundort, Bergkuppe |
| Kyffhäuser | Thüringen | Bad Frankenhausen | Mittelgebirge, Burgruine |
| Kloster St. Marienthal | Sachsen | Ostritz | Aktives Kloster |
| Klosterinsel Reichenau | Baden-Württemberg | Konstanz | Klosterinsel |
| Mummelsee | Baden-Württemberg | Seebach | Karsee |
| Untersberg | Bayern | Berchtesgaden | Bergmassiv |
| Kloster Andechs | Bayern | Landkreis Starnberg | Wallfahrtsort |
Für Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Berlin haben wir keinen Ort gefunden, den wir so sauber belegen konnten wie die übrigen. Die nächsten Ziele aus dieser Liste: Von Berlin aus liegt Kloster Chorin im Nordosten in Brandenburg. Von Bremen aus ist es nicht weit bis Wildeshausen und zu den Visbeker Großsteingräbern, die sich auch von Hamburg aus als Tagesziel eignen. Wer im Norden wohnt, sucht außerdem am besten nach Großsteingräbern in der eigenen Gegend, wie im Abschnitt Kraftorte in der Nähe finden beschrieben.
Kraftorte im Norden
Kap Arkona, Mecklenburg-Vorpommern
An der Nordspitze Rügens bricht das Land 43 Meter tief zur Ostsee ab, Kreide und Geschiebemergel, an klaren Tagen gleißend hell. Hier stand die Jaromarsburg, ein Heiligtum der slawischen Ranen für den Gott Svantevit. Der dänische König Waldemar I. ließ es 1168 zerstören, sichtbar ist heute vor allem der Wall. Zwei Leuchttürme stehen am Kap, der ältere, eckige von Karl Friedrich Schinkel, gebaut 1826 bis 1828. Daneben ragt ein runder Backsteinturm von 1927 auf, der Marinepeilturm, in dem früher der Funkverkehr auf der Ostsee abgehört wurde. Heute zeigt er Ausstellungen.
Du parkst in Putgarten und gehst zu Fuß weiter, oder du nimmst Kutsche oder Kap-Arkona-Bahn. Rund 800.000 Menschen kommen im Jahr. Halte Abstand zur Kante: Das Kliff bricht vor allem im Winter und Frühjahr immer wieder ab, die Königstreppe ist seit 2012 gesperrt.

Visbeker Braut und Bräutigam, Niedersachsen
In der Ahlhorner Heide zwischen Visbek und Wildeshausen liegen zwei Großsteingräber der Trichterbecherkultur, errichtet etwa zwischen 3500 und 2800 vor Christus. Die Braut ist rund 80 Meter lang, der Bräutigam rund 104 Meter, ursprünglich eingefasst von etwa 170 Findlingen. Es ist still zwischen den Steinen, Kiefernnadeln, Heidekraut, ab und zu ein Radfahrer.
Der Sage nach wollte eine Braut den ihr bestimmten Mann nicht heiraten und wünschte sich zu Stein, samt Hochzeitsgesellschaft. Aufgeschrieben hat das zuerst 1801 ein Pastor, als Gedicht. Dass die Braut auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ausgerichtet sein könnte, vermuten einige Forschende, gesichert ist es nicht.
Kloster Chorin, Brandenburg
Sechs Kilometer nördlich von Eberswalde steht eine der schönsten Backsteinruinen des Nordens. Zisterzienser gründeten das Kloster 1258, zuerst auf einer Insel im Parsteiner See, und verlegten es um 1273 an den heutigen Platz. Der Westgiebel ist berühmt, roter Ziegel, gotisch, fast filigran. 1542 wurde das Kloster säkularisiert, ab 1817 sicherte Schinkel den Erhalt, Lenné legte die Anlage an.
Chorin liegt im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Im Sommer zieht der Choriner Musiksommer Publikum in die Ruine. An einem Werktag im Herbst hörst du in der Ruine oft nur deine eigenen Schritte.
Kraftorte im Westen
Externsteine, Nordrhein-Westfalen
Die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg im Teutoburger Wald sind der Ort, den fast jede Liste zuerst nennt. Die Felsen bestehen aus Osning-Sandstein, abgelagert in der Unterkreide vor etwa 110 Millionen Jahren, die Schichten stehen fast senkrecht. Sie sind Nationales Geotop, Naturschutzgebiet und Bodendenkmal. Im Mittelalter wurden Kapellen in den Fels gehauen, das Relief der Kreuzabnahme stammt wohl aus dem 12. Jahrhundert.
Jetzt der unbequeme Teil. Für eine vorchristliche Kultstätte gibt es keinen gesicherten Beleg. Funde aus der Steinzeit zeigen, dass Menschen hier waren, mehr nicht. Die Deutung als germanisches Heiligtum beginnt 1564 und wurde in den 1920er und 1930er Jahren politisch aufgeladen, bis hin zu einer Stiftung unter Heinrich Himmler. Auch dass ein Felsenfenster auf die Sonnenwende ausgerichtet sei, bleibt eine unbewiesene Idee. Auch Neonazis haben den Ort als Symbol vereinnahmt.
Zu Walpurgis und zur Sommersonnenwende ist es an den Felsen voll: Dann treffen sich hier große esoterische Runden.
Die Felsköpfe zu besteigen ist verboten, wegen der empfindlichen Vegetation, an einem der Nebenfelsen brütet außerdem ein Uhu. In der Saison, etwa April bis Anfang November, führt ein Treppenaufstieg gegen Eintritt nach oben. Komm früh: Die Schätzungen reichen von einer halben bis zu einer Million Besuchern im Jahr.
Disibodenberg, Rheinland-Pfalz
Dort, wo der Glan bei Odernheim in die Nahe fließt, steigt ein Hügel mit Weinbergen an, oben Mauerreste zwischen alten Bäumen. Um 640 soll sich hier der Missionar Disibod niedergelassen haben, sein Grab wurde Wallfahrtsort. Ab 1107 lebten Benediktiner auf dem Berg, und ab 1136 leitete hier Hildegard von Bingen eine Frauengemeinschaft, bevor sie zwischen 1147 und 1151 auf den Rupertsberg bei Bingen zog.
1559 wurde das Kloster aufgegeben. Die Ruine ist rund 2,5 Hektar groß und zu besichtigen, mit Museum und Kapelle. Wenn du die Steine von Hildegards erster Wirkungsstätte sehen willst, ist das hier der Ort.
Loreley, Rheinland-Pfalz
Unten tuckern Frachtkähne gegen die Strömung, oben pfeift der Wind über das Plateau. 132 Meter ragt der Schieferfelsen bei Sankt Goarshausen über den Rhein. Unten ist der Fluss an seiner engsten und tiefsten schiffbaren Stelle zwischen Basel und Rotterdam, rund 160 Meter breit und bis zu 25 Meter tief. Gefährliche Felsen im Strom wurden erst in den 1930er Jahren gesprengt.
Die Zauberin, die Schiffer ins Verderben singt, ist keine alte Volkssage. Clemens Brentano hat sie 1801 erfunden, Heinrich Heines Gedicht von 1824 und Friedrich Silchers Vertonung von 1837 machten sie berühmt. An der Loreley kannst du zusehen, wie ein Dichter einen Felsen zum Kraftort macht. Der Blick vom Plateau auf die Rheinschleife wirkt trotzdem.
Gollenstein, Saarland
Über den Dächern von Blieskastel steht ein heller Stein, höher als zwei Stockwerke, und er sieht ein wenig geflickt aus. Der Gollenstein ist mit 6,58 Metern der größte Menhir Mitteleuropas, aufgerichtet wohl gegen Ende der Jungsteinzeit vor etwa 4.000 Jahren. Die Nische mit Kreuz wurde vermutlich erst 1809 eingemeißelt. Manche deuten ein Figurenfragment darunter als vorgeschichtliche Götterfigur, beweisen lässt sich das nicht.
Seine jüngere Geschichte ist fast die eindrücklichste. 1939 legten Pioniere der Wehrmacht den Stein um, aus Sorge, er könne der französischen Artillerie als Richtpunkt dienen. Er zerbrach in vier große Teile. 1951 wurde er mit Beton wieder aufgerichtet, die Nähte siehst du bis heute.
Glauberg, Hessen
Vom Plateau bei Glauburg schaust du über Felder bis weit in die Wetterau, und unter dir hebt sich ein Grabhügel aus der Wiese, so rund, als hätte ihn jemand mit dem Zirkel gezogen. Hier, am Rand des Vogelsbergs, siedeln Menschen seit dem 5. Jahrtausend vor Christus. Bekannt wurde der Glauberg durch die Kelten: 1988 entdeckte man auf Luftbildern Grabhügel, ausgegraben ab 1994. Darin lagen reich ausgestattete Gräber dreier Krieger aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, dazu die Sandsteinstatue des "Keltenfürsten vom Glauberg", etwa 1,86 Meter groß.
Sein Kopfschmuck wird als Mistelblattkrone gedeutet, manche sehen darin eine priesterliche Rolle. Ob 16 Pfostenlöcher am Grabhügel zu einem Kalenderbau gehörten, darüber streiten die Fachleute. Was die Kelten hier hinterlassen haben, zeigt das Museum Keltenwelt am Glauberg, geöffnet seit 2011.
Kraftorte im Osten und in der Mitte
Brocken, Sachsen-Anhalt
An vielen Tagen im Jahr siehst du vom Gipfel nicht viel: Nebel zieht über die Granitblöcke, das Gras ist nass, die Sendemasten verschwinden im Grau. Der Brocken ist mit gut 1.140 Metern der höchste Berg Norddeutschlands, ein Granitbuckel im Nationalpark Harz, rund 290 Millionen Jahre alt. Seit dem 16. Jahrhundert wird er mit Hexenversammlungen in der Walpurgisnacht verbunden, Goethe stieg 1777 hinauf und ließ später die Walpurgisnacht im "Faust" hier spielen. Das Brockengespenst, ein riesiger Schatten auf der Nebelwand, ist ein optisches Phänomen: dein eigener Schatten, von der tiefstehenden Sonne auf den Nebel geworfen.
Hinauf kommst du zu Fuß über Goetheweg, Hirtenstieg oder Harzer Hexenstieg, oder mit der Brockenbahn, die seit 1899 meist unter Dampf von Wernigerode über Drei Annen Hohne und Schierke fährt. Mit dem eigenen Auto geht es nur mit Sondergenehmigung. Über die Waldwege und Ranger-Angebote informiert der Nationalpark Harz.

Mittelberg bei Nebra, Sachsen-Anhalt
Mitten im Wald bei Nebra steht ein schlanker, schräg gestellter Aussichtsturm. Er markiert die Stelle auf der 252 Meter hohen Kuppe des Mittelbergs, an der Raubgräber am 4. Juli 1999 die Himmelsscheibe von Nebra ausgruben. Die Scheibe ist etwa 3.700 bis 4.100 Jahre alt und gilt als älteste bekannte konkrete Himmelsdarstellung. Das Original liegt heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, seit 2013 ist die Scheibe UNESCO-Weltdokumentenerbe. Der Turm ist 30 Meter hoch, unten bei Wangen das Besucherzentrum Arche Nebra mit Planetarium.
Gern wird erzählt, Mittelberg und Brocken zeigten gemeinsam die Sonnenwenden an. Genaue Messungen haben die Idee widerlegt.
Kyffhäuser, Thüringen
Raben gehören zur Sage vom Kyffhäuser, und wenn ein schwarzer Vogel über den Burgruinen kreist, denkst du unwillkürlich daran. Das kleine Mittelgebirge bei Bad Frankenhausen ist kaum 500 Meter hoch. Der Sage nach schläft Kaiser Friedrich Barbarossa im Berg, solange die Raben ihn umkreisen. Oben stehen die Ruinen der Reichsburg Kyffhausen mit einem 176 Meter tiefen Burgbrunnen, daneben das wuchtige Kyffhäuserdenkmal von 1890 bis 1896, 81 Meter hoch. Es ist ein steinernes Bekenntnis des Kaiserreichs zu sich selbst, und so solltest du es auch lesen.
Leiser wird es auf den Waldwegen des Naturparks und unten bei Rottleben in der Barbarossahöhle, wo Gipsplatten wie Tapetenfetzen von der Decke hängen. Die Höhle ist rund 800 Meter lang.
Kloster St. Marienthal, Sachsen
Bei Ostritz, direkt an der Lausitzer Neiße und der Grenze zu Polen, läuten die Glocken einer Zisterzienserinnenabtei, gegründet der Überlieferung nach 1234. Sie gilt als ältestes ununterbrochen bestehendes Zisterzienserinnenkloster Deutschlands. Hussiten zerstörten es 1427, der barocke Neubau begann 1685. Heute gibt es dort ein internationales Begegnungszentrum und einen Bibelgarten mit über 40 Pflanzen aus der Bibel.
In Marienthal leben Nonnen, und der Alltag dort richtet sich nach ihren Gebetszeiten. Zieh dich an wie für einen Kirchenbesuch, und wenn die Glocken zum Stundengebet rufen, ist der Hof für eine Weile ihrer. Wer diese Art von Stille mehrere Tage am Stück sucht, findet sie eher in einem Schweige-Retreat.
Kraftorte im Süden
Klosterinsel Reichenau, Baden-Württemberg
Die größte Insel des Bodensees liegt im Untersee zwischen Konstanz und Radolfzell, seit 1838 über einen Damm erreichbar. Das Benediktinerkloster machte sie im Frühmittelalter zu einem Zentrum von Buchmalerei und Gelehrsamkeit. Um 841 schrieb der Abt Walahfrid Strabo hier sein Gedicht über den Klostergarten, den "Hortulus". Seit 2000 ist die Insel UNESCO-Welterbe.
Drei romanische Kirchen verteilen sich über die Insel: das Münster St. Maria und Markus in Mittelzell, St. Georg in Oberzell und St. Peter und Paul in Niederzell. Verbinde sie zu Fuß oder mit dem Rad, zwischen Gemüsefeldern und Schilf.
Mummelsee, Baden-Württemberg
Das Wasser ist fast schwarz, die Tannen stehen dicht bis ans Ufer. An der Hornisgrinde im Nordschwarzwald liegt auf gut 1.000 Metern dieser Karsee, etwa 3,7 Hektar groß und bis zu 18 Meter tief. Sein Wasser ist so sauer, dass keine Fische darin leben. Sagen erzählen von Seeweibchen und Nixen, Eduard Mörike hat ihnen ein Gedicht gewidmet, und schon Grimmelshausens "Simplicissimus" führt hierher. Am Südufer steht die Kapelle St. Michael.
Sei gewarnt: Der See liegt direkt an der Schwarzwaldhochstraße und gehört zu den meistbesuchten Seen im Land, mit Hotel, Tretbooten und großem Parkplatz. Seine dunkle Stimmung hat er vor allem, bevor die Ausflugsbusse kommen, oder an einem grauen Novembertag. Der Uferweg ist seit 2014 barrierefrei.

Untersberg, Bayern
Von Salzburg aus gesehen steht der Untersberg wie eine Wand am Stadtrand, und genau dort verläuft auch die Grenze: Das nördlichste Massiv der Berchtesgadener Alpen liegt zu etwa einem Drittel in Österreich. Sein Berchtesgadener Hochthron misst 1.972 Meter, im Kalkstein stecken über 400 Höhlen, darunter die Schellenberger Eishöhle und die Riesending-Schachthöhle, die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Der Sage nach wartet im Berg ein Kaiser, Karl der Große oder Barbarossa, umsorgt von den Untersberger Mandln.
Im Netz liest du oft, der Dalai Lama habe den Untersberg das "Herzchakra Europas" genannt. Eine Quelle dafür haben wir nicht gefunden. Praktisch wichtiger: Die Seilbahn fährt auf der österreichischen Seite, ab St. Leonhard bei Grödig hinauf zur Bergstation auf 1.776 Metern.
Kloster Andechs, Bayern
Der "Heilige Berg" im Landkreis Starnberg ist ein Ort, an dem Frömmigkeit und Biergarten seit Jahrhunderten nebeneinander bestehen. Nach einem Reliquienfund 1388 setzte eine rege Wallfahrt ein, die heutige Kirche wurde 1423 bis 1427 gebaut. Andechs gilt nach Altötting und Vierzehnheiligen als drittgrößter Wallfahrtsort Bayerns, das Kloster ist ein Priorat der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München.
Die Klosterbrauerei kennen viele besser als die Kirche. Probier es andersherum: erst eine halbe Stunde in der Wallfahrtskirche, dann auf die Terrasse.
Wo das Belegbare aufhört
Viele, die an einem dieser Orte stehen, beschreiben dasselbe: Ruhe, Staunen, die Zeit läuft langsamer. Dieses Erleben ist real. Für die Erklärung mit Erdstrahlen fehlt dagegen jeder Beleg, und Pendel, Wünschelrute oder Bovis-Skala ändern daran nichts. Diese Verfahren haben keinen naturwissenschaftlichen Nachweis.
Spannender ist die Frage, woher die vielen Geschichten kommen. Schau auf die Jahreszahlen in diesem Führer, dann fällt dir etwas auf. Die Loreley-Sage entsteht 1801, das Gedicht über die Visbeker Braut im selben Jahr, Goethes Walpurgisnacht auf dem Brocken erscheint 1808 im "Faust". Um 1800 suchten Dichter und Gelehrte in der Landschaft nach Seele und Vorzeit, und oft haben sie beides selbst geschrieben. Gut hundert Jahre später griff die völkische Bewegung genau diese Bilder auf und machte aus den Externsteinen ein angebliches germanisches Heiligtum.
Viele Kraftorte in Deutschland sind also auch Orte, an denen Menschen ihre Sehnsucht abgelegt haben. Das macht sie nicht kleiner. Wer dort innere Ruhe findet, braucht dafür keine Strahlung als Begründung. Und wer diese Ruhe länger halten will als einen Nachmittag, findet angeleitete Tage mit Meditation und Schweigezeiten unter den Retreats für Bewusstsein, Seele und Geist.
Kraftorte in der Nähe finden
Nicht jeder hat die Externsteine oder den Brocken vor der Tür. Kraftorte in deiner Nähe findest du trotzdem. Such nicht nach dem Wort, sondern nach dem, was diese Orte ausmacht:
- Alte Klöster und Klosterruinen. Fast jede Region hat eines, oft mit Garten, Kreuzgang oder Wald drumherum.
- Wallfahrtskirchen und Kapellen auf Anhöhen, oft an alten Wegen.
- Großsteingräber und Menhire. In Norddeutschland sind sie häufiger, als die meisten denken.
- Quellen, Seen, markante Kuppen und Felsen mit eigenen Sagen. Ein Sagenbuch deiner Region führt dich schneller hin als jede App.
- Denkmal- und Tourismusportale deines Bundeslandes. Dort findest du Geotope, Bodendenkmäler und Klöster mit verlässlichen Angaben zu Lage und Zugang.
Zwei Regeln gelten überall. Erstens das Timing: Ein Kraftort mit Reisebus ist ein Parkplatz. Zweitens: Respektiere, was der Ort braucht: Besteigverbote, Gottesdienste, Brutzeiten, Wege im Naturschutzgebiet.
Vom Ausflug zur Auszeit
Ein Kraftort ist meist ein Tagesausflug. Du stehst eine Stunde am Kliff von Arkona oder unter den Externsteinen, dann wartet das Auto, und auf der Autobahn ist das Gefühl schon dünner geworden. Wenn du das, was an diesen Orten kurz aufgeht, länger halten willst, reicht ein Nachmittag nicht.
Dafür braucht es ein paar Tage mit Struktur: Meditation draußen, Zeiten des Schweigens, Gehen als Übung, eine kleine Gruppe und jemand, der anleitet. Was ein spirituelles Retreat von einem Wellness-Wochenende unterscheidet, haben wir getrennt aufgeschrieben, ebenso wie eine spirituelle Auszeit aussehen kann.
Häufige Fragen
Was ist ein Kraftort?
Ein Kraftort ist ein Platz, dem Menschen eine besondere, meist beruhigende oder stärkende Wirkung zuschreiben. Der Begriff kommt aus der Esoterik, die von Erdstrahlung ausgeht, und die ist naturwissenschaftlich nicht nachweisbar. Was die bekannten Kraftorte in Deutschland tatsächlich verbindet, sind markante Landschaften, ein hohes Alter und eine lange Geschichte als Kloster-, Kult- oder Pilgerort.
Welcher ist der bekannteste Kraftort in Deutschland?
Die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg im Teutoburger Wald tauchen in fast jeder Liste zuerst auf. Für eine germanische Kultstätte gibt es zwar keinen gesicherten Beleg. Die rund 110 Millionen Jahre alten Sandsteinfelsen mit ihren mittelalterlichen Felskapellen lohnen den Weg trotzdem, am besten früh am Morgen.
Wo finde ich Kraftorte in meiner Nähe?
Schau zuerst in die Übersicht nach Bundesland. Liegt dort nichts in deiner Gegend, such nach alten Klöstern, Wallfahrtskirchen, Großsteingräbern, Menhiren oder Quellen mit eigener Sage. Die Denkmal- und Tourismusportale deines Bundeslandes nennen Lage und Zugang verlässlich.
Kann man die Energie eines Kraftortes messen?
Nein, nicht im naturwissenschaftlichen Sinn. Pendel, Wünschelrute und Bovis-Einheiten stammen aus der Radiästhesie und haben keinen Nachweis. Beobachten kannst du nur, wie du selbst auf einen Ort reagierst.
Welche Kraftorte liegen in Bayern?
In diesem Führer sind es der Untersberg in den Berchtesgadener Alpen und Kloster Andechs, der "Heilige Berg" im Landkreis Starnberg. Altötting und Vierzehnheiligen sind die beiden größten Wallfahrtsorte Bayerns und für viele ebenfalls Orte der Kraft.
Welche Kraftorte gibt es in Norddeutschland?
Im Norden stehen in diesem Führer das Kap Arkona auf Rügen, die Großsteingräber Visbeker Braut und Bräutigam bei Wildeshausen und Kloster Chorin bei Eberswalde. Großsteingräber aus der Jungsteinzeit gibt es in Norddeutschland viele, oft lohnt ein Blick in die Denkmalliste deiner Region.
Welche Kraftorte gibt es außerhalb Deutschlands?
Die bekanntesten liegen weit weg, etwa Bodh Gaya in Indien, der Uluru in Australien oder Glastonbury in England. Zehn solcher Stätten stellen wir im Artikel über spirituelle Orte der Welt vor.
Plane deine Auszeit
Wenn dich an einem dieser Orte die Stille erwischt hat, such dir ein paar Tage, in denen du sie üben kannst: mit Meditation, Schweigezeiten und viel Zeit draußen. Auf retreaturlaub.de findest du über 1.000 kuratierte Programme, Hunderte davon in der Kategorie Bewusstsein, Seele, Sinne und Geist. Plane deine Auszeit mit Retreats für Bewusstsein und Geist.
