Tagesablauf, Gruppe und Stille
Ein typischer Tag in einem bayerischen Achtsamkeits-Retreat folgt einem ruhigen, klaren Rhythmus. Wecken um halb sechs oder sechs, oft mit einer Glocke. Eine erste Sitzphase noch vor dem Frühstück, dreißig bis fünfundvierzig Minuten, im Stillen oder mit kurzer Anleitung. Frühstück um sieben in den meisten Programmen bereits im Schweigen. Vormittags zwei bis drei Sitz- oder Body-Scan-Einheiten, dazwischen Geh-Meditation, oft im Klostergarten oder auf einem Hofweg. Mittagessen einfach und vegetarisch, danach eine längere Mittagsruhe.
Nachmittags eine bis zwei weitere Praxis-Einheiten, dazu in den meisten Programmen ein Lehrgespräch oder ein kurzer thematischer Input — was Achtsamkeit ist, wie sie auf Schmerz reagiert, wie sie sich von Konzentration unterscheidet. Wer in einem Klosterhaus wohnt, kann an einer der Stundengebete der Mönche oder Nonnen teilnehmen, das ist nie Pflicht, aber für viele Gäste ein eigener Erfahrungsanker. Abendessen früh und leicht, danach eine letzte Sitzphase, oft mit Kerzenlicht, gegen einundzwanzig Uhr ist das Haus still.
Gruppen sind klein, in Bayern typisch zehn bis zwanzig Teilnehmende, in Klosterhäusern manchmal mehr. Schweigen ist in vielen Programmen Teil des Settings, oft den ganzen Aufenthalt über außer im Lehrgespräch oder im Einzelgespräch mit der Lehrenden. Wer noch nie geschwiegen hat, sollte mit einem Wochenend-Programm beginnen, in dem das Schweigen nur abschnittsweise vorgesehen ist; die fünf- und siebentägigen Formate setzen Schweigen als Standard. Die ersten ein bis zwei Tage sind oft die schwersten, ab Tag drei kommt für die meisten Gäste eine Ruhe, die sich vorher kaum vorstellen lässt.